Montag, 1. Dezember 2014

Human beings

Es ist gut wenn man Gewohnheiten hat. Ich meine nicht nur Gewohnheiten, die schwierig für einen selbst oder für die Mitmenschen sind. Das ausspucken des roten Betelsaftes gehört für mich als Beispiel für schwierige Gewohnheiten dazu. Ich verstehe das sich derjenige, der hier in Varanasi den ganzen Tag Leichen verbrennt oder schwere Lasten durch die Gegend karrt mal etwas Euphorisierendes wie Betelblätter mit zerhackten unreifen Betelnüssen (und  noch einigem mehr) zwischen die Kiemen benötigt.




Das er dann aber beim sprechen den Unterkiefer nach vorne schieben muss, welches dem See an Betelsaft ein Bassin zu Verfügung stellt, in dem er nach Herzenslust bei jedem Wort schwappen kann, ist eher noch von der Sorte, die einem eher ein heiteres Gefühl gibt. Wenn allerdings ein halber Liter von dem roten Saft vor einem ausgespieen wird und droht einem die Schuhe und die Hosenbeine neu einzufärben, hört der Spaß auf. Abgesehen davon das das medizinisch geschulte Fachpersonal, also ich, erschrocken an ein geplatztes Aneurysma der Speiseröhre denkt und im Kopf bereits den Gesang der Hindus, wenn sie einen Toten zur Verbrennung tragen, anstimmt. "Ram nam satya hai" Der Name Ram ist die einzige Wahrheit. (Alles andere ist eine Illusion) 

Aber es auch solche, die man lieb gewonnen hat oder die einen mit schöner Regelmäßigkeit lieb haben. Zum Beispiel die Wintererkältung. Treffsicher haben mich irgendwelche Bakterien, es scheint da ein weltweites bakterielles Kommunikationsnetz zu geben, aus der Masse der Inder herausgesucht und sich in meinem Rachen breitgemacht. Nun, so schwer fällt das ja nicht mich als Nichtinder zu etikettieren. Ich gehe oft auf der falschen Straßenseite, ich starre auf indische Gewöhnlichkeiten, z.B. das trinken von Wasser ohne das Gefäß zu berühren, wie Alice bei ihrer Ankunft im Wunderland und habe einen fassungslosen Gesichtausdruck, wenn ich sehe das wunderschöne Gebäude und damit ihre Geschichte verfallen. "Ram nam..."




Mir ist immer noch nicht klar geworden, warum das so ist. Der indische Nationalstolz sollte dem Verfall eigentlich entgegenstehen. Aber vielleicht sehe ich das ja auch zu sehr mit dem Blick eines Menschen, der es gewohnt ist, dass der Kölner Dom jahrelang restauriert wird, wenn auch nur der Anschein des Verfalls droht. Beileibe ist dies weder eine kulturelle Wertung in die eine oder andere Richtung. Es ist mehr der Versuch zu verstehen, was diese Menschen dazu bringt, wie auf einer Welle zu leben. Man wird geboren, schwimmt eine Weile mit. Nutzt das was die Welle an Treibgut mitliefert. Erreicht irgendwann vielleicht den Gipfel, falls das Karma dies zulässt, und geht dann mit der Welle und allem was sie mitbrachte unter. Ist es vielleicht so eine Art von Lebenseinstellung? Alles nur eine Illusion, die zerstiebt und deshalb nutzt man die Dinge, die um einen herum existieren und kümmert sich nicht um deren Erhalt? Oder ist das zuweit gedacht? Zu kompliziert?

Das hält natürlich niemanden hier davon ab, so laut und so bunt wie es ihr oder ihm möglich ist vor sich hin zu illusionieren. ;)





















3 Kommentare:

  1. Tja! Ist so eine Sache mit den Gewohnheiten! ;-)
    Schöne Photos!

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  2. So gewandet hat man größere Chancen das Karma auszutricksen und im Verkehr nicht umzukommen

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  3. Ja, ja Indien ist ein Farbenmeer, und es lädt dazu ein, einige Zeit darin mitzuschwimmen. Ich wünsche dir weiterhin eine gute Reise und viele tolle Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke!!Bleib' gesund!! Gruß aus dem fernen Düsseldorf


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