Dienstag, 13. Januar 2015

Swayambhunath

Kathmandu, 13.12.14
Das schwierigste bei so einer Reise scheint das filtern zu sein. Man entscheidet sich für dieses oder jenes, dahin oder dorthin zu gehen. Aber man weiß, dass man in jedem Fall etwas nicht gesehen hat, was man vielleicht besser doch mal kurz in Augenschein genommen hätte? Nun ist das in Deutschland nicht weiter schlimm. Wenn man sich für die Ausstellung in Köln in entschieden hat, kann man in der Regel ein paar Tage später die andere in Düsseldorf auch noch sehen. Schaut man lieber den Film um 20:15 im Kino und dafür nicht den um 20:00 - so what? Der andere Film kommt eh irgendwann auf Blue Ray oder im Fernsehen oder - nun ja. Aber nach Nepal fährt man nicht mal eben so. Pashupatinath nicht gesehen und erlebt? Der mitleidige Blick eines einheimischen oder internationalen Gesprächspartners trifft dich in jedem Fall.
"Also das hättest du wirklich nicht verpassen dürfen."

Und du weißt, du hast hier fast deinen kompletten Jahresurlaub genommen und wirst definitiv nicht vor 2016 dieses Land wieder betreten - wenn überhaupt. Aber was ist schon 2016? Nur eine Jahreszahl. Und man macht natürlich auch alles richtig. Und so war die Besteigung des Swamyambhunath auf jeden Fall eine der richtigen Entscheidungen. Nun ist das Ding mit dem Namen, den ich
froh bin mittlerweile fehlerfrei schreiben zu können, kein Berg sondern einer der ältesten buddhistischen Tempel Nepals und er thront auf einem Hügel im Westen von Kathmandu und wird von zwei Hindutürmen flankiert. Diese tolerante Mischung ist übrigens nichts ungwöhnliches in Nepal.
Zurück zum SWayanbhunath. Unbestreitbar der Hügel der beste Platz fuer Buddha um das Treiben der Gläubigen in der Stadt Tag und Nacht zu beäugen. Wobei sich auch die psychiatrische Sichtweise des Bagpackers hier einmischt, der sich schwitzend und nach Atem ringend über viele Stufen (365) den Augen des Buddha nähert, die auf allen Seiten der quadratischen Spitze der Stupa des Swamyambhunath aufgemalt sind. Denn mich ergriff zunächst keine spirituelle Entrückung aus der illusorischen Welt in eine des Vergessens, sondern die schlichte Frage wie wohl ein Paranoiker in Kathmandu damit umgeht, dauernd von diesen Augen auf dem Hügel beobachtet zu werden? Diese Frage bleibt unbeantwortet.
Der Weg unter die Augen Buddhas alleine ist für den hoffnungsvollen Nepalneuling an sich nicht nur eine körperliche Herausforderung wegen der vielen, unregelmäßigen Stufen, sondern auch eine geistige.

So versucht sich die westliche oder sagen wir ruhig, die kölsche Vorstellung von angemessener sakraler Umgebung mit der nepalesischen Vorstellung davon zu verbinden und stirbt dabei einen raschen Tod. Ram nam sayte hai. Obwohl in Anbetracht des buddhistischen Kontextes hier ein mitfühlendes om mani padme hum angebrachter ist. Der Weg nach oben ist gesäumt von Händlern, meist Frauen, welche Gebetsketten, Buddhas und Gebetsmühlen an den Pilger bringen wollen. Die Männer bieten sich als unerlässliche Erklärhilfe fuer den unwissenden Touristen an. Und dazwischen sitzen große
vergoldete Buddhas, deren unterschiedlichen Hand- und Fingerstellung seine verschiedenen Geisteszustände darstellen sollen. Steintafeln mit Inschriften, die ich leider nicht in der Lage war zu lesen. Kleine Säulen, bestehend aus vier Buddhas, deren, bunt bestäubte Häupter, in alle vier Himmelsrichtungen schauen und aus deren Mitte sich eine Stupa erhebt, die das Allumfassende darstellen soll. Und, um das Maß voll zu machen, weiter oben leben Horden Affen, die dort bequem in der Sonne Nepals liegen, sich gegenseitig lausen (nur ein Grund sie nicht anfassen zu wollen) oder zwischen Stupas und Steinfiguren herum turnen um sich füttern zu lassen und um die Horden von Touristen zu beobachten. Und während in Köln am Weltkulturerbe „Kölner Dom“ nicht mal Tauben toleriert werden, findet dort am Swayambhunath jedes Lebewesen seinen Platz. Die einzige Gemeinsamkeit liegt darin, dass sowohl der Dom als auch der Swayambhunath immer noch für religiöse Riten benutzt werden. Aber das war es dann auch schon. Niemals werden wir im Dom Verkaufsstände mit allen Souvenirs sehen, die das Besucherherz erfreuen. Aber auch Alltagsgegenstände zu schamlos überzogen Preisen. Ob es karmisch gesehen von Vorteil ist für vier Batterien 400 statt 75 Rupien zu verlangen, sei dahin gestellt. Aber den Mönchen, die im Swayambhunath leben und beten ist es gleich. Wenn eh alles eine Illusion ist, dann kann der Tourist auch überzogene Preise zahlen. Kann er, tut er aber nicht. Zumindest nicht ich. Natürlich ist die gesamte Anlage so wie sie ist eine Augenweide. Und damit meine ich alles. Die Affen, die Verkäufer von Futter für die Affen; die Gläubigen und die Mönche, die zu den Augen Buddhas beten, die die Gebetsmühlen drehen damit sich auch einfache
Tätigkeiten in den Pfad der Erleuchtung integrieren können; die sich mit vor dem Gesicht zusammengepressten Händen an die große, vergoldete Buddhastatue stellen, um dann verzückt lächelnd in die Kamera zu schauen. Wobei kleine Kinder die Verzückung besonders perfekt hinbekommen. Und die Buddhastatue, deren Gesicht ins Nichts versunken ist, ruht leicht und unbeirrt in diesem Trubel aus Illusionen. Und tatsächlich lösen sich alle Begebenheiten vor ihr wieder auf. Menschen und ihre Angelegenheiten kommen und gehen und nichts mehr erinnert eine Minute später daran, dass eben noch ein heiliges Posing auf ein Foto gebannt wurde. Und so ist es mit allen Dinge dort oben auf den Swayambhunath. Nur die religiösen Symbole, wie die sich langsam weiterdrehenden Gebetsmühlen, die rauchenden Butterkerzen und der Klang der Glocken haben Bestand. Die Menschen sind nur Schatten, die im Lichte der Botschaft des erleuchteten Buddhas verschwinden. Solange bis sie selber erleuchtet sind. Und so dient die Geschäftigkeit am Swayambhunath letztlich auch dem Weg zur Erleuchtung. 

Ich zahle trotzdem keine 400 Rupien für Batterien.













Sonntag, 11. Januar 2015

Kathmandu chillt

11.12. - 12.12., Kathmandu

Dermaßen geerdet wieder in der Welt angekommen, waren neue Schritte wieder möglich. Das Etrex angeworfen, dass Mobile auf 100%, das Abenteuer Kathmandu konnte beginnen. Was hatte ich nicht alles gehört. Hippiekultur, alternatives Leben, freundliche Nepalesen, die einem den Sinn des Lebens erklären – „Taxi?“. Das war also das erste Wort, welches ein Mensch aus Kathmandu an meinem ersten Tag an mich richtete, nach dem ich mich aus meinem Reisefiebertraum Mittels Schlaf, Dusche und Toast wieder erweckt hatte. „Taxi“ Ich könnte einen großen philosophischen Bogen, Taxi des Lebens, wohin geht die Reise usw, schlagen, aber ich belasse es bei einer simplen Tatsache – ich war Thamel angekommen. Wenn überall abends um 20 Uhr in Kathmandu der Strom abgeschaltet wird, und das wird er, brennen in Thamel weiter alle Lichter. Wenn Kathmandu im Abfall versinkt, ist Thamel wie aus dem Ei gepellt. Thamel ist die Oase in Kathmandu, in die die Touristen strömen, um dort den Kulturschock nicht allzu hart als schallende Ohrfeige ins Gesicht geschlagen zu bekommen. Sondern
eher als Klaps auf den Po, der warm eingepackt ist in eine Northface Thermohose. Oder hübsch eingewickelt in irgendeine farbenfrohe Pluderhose, von der der westliche, und im Übrigen nur der, Bagpacker glaubt das das der gemeine Nepalese so trägt im Alltag, was er im Übrigen nicht tut. Der Preis für diesen Kulturklaps auf den Allerwertesten ist, dass man für serienmäßig hergestellte Buddhas, Gebetsmühlen und -ketten, Schals usw usw noch mehr zahlt, als sie tatsächlich wert sind. Sehen wir mal davon ab, dass der größte Wert, dieser Dinge darin liegt, dass man sie in Nepal erworben hat. Ich mag vielleicht ein wenig exzentrisch sein, aber ich erfreue mich da mehr an einem Stein, den ich irgendwo aufgelesen habe.
Aber Thamel ist trotzdem der richtige Ort für die Besucher dieses Landes, also auch für mich. Denn den Kulturschlag ins Gesicht hält man nicht aus oder zumindest nur schlecht. Und so ist der Stadtteil Thamel nicht gerade Disneyland, was es in Nepal durchaus gibt, aber davon später. Es ist ein Ort, der gut durchzogen ist von Weihrauch- und Räucherstäbchenduft. Der bunt gekleidet in buddhistische Gebetsfahnen und feilgebotene Pluderhosen, die kein Nepalese jemals trägt, ein sorgenlosen Leben in  - Thamel verspricht. Von Seidenschals und solchen, die behaupten es zu sein. Bildbänden, Postkarten, die den Lieben zu Hause einen Eindruck schenken sollen, von der Vielfalt Nepals. Und immer wieder gespickt mit Restaurants, die den neugierigen Touristen entführen, verführen wollen, in eine kulinarische Zwischenwelt zu kommen. In der die Pizza „Quattro formaggie“ mit Büffel- und Ziegen und irgendeinem Analogkäse garniert wird, einen aber Erinnerungen daran schenkt, wie diese zu Hause schmeckt. Zu hause. Das ist dann immer noch ein irgendwo hinter der nepalesischen Wirklichkeit, aber trotzdem greifbar, schmeckbar. Ich denke es wird vielen so gehen. Den Südkoreanern, den Chinesen, die Australiern, Engländern. Die Neugierde auf ein fremdes unbekanntes Land ist etwas sehr lebendiges, aber es macht auch Angst – mir zu mindest. Und dann ist Thamel, der Ort, der einen Großteil der Zeit Strom hat, TV auf dem Zimmer, relativ saubere Straßen und hier und da ein kulinarische Erinnerung an die Heimat, genau das richtige um nicht in den nächsten Flieger zu steigen und seine Neugierde unbefriedigt zurückzulassen.
Im Grunde sträube ich mich zu schreiben, dieses Volk ist so und jenes ist so. Aber eines fällt auf, und darin begründet sich die Wahl der Überschrift. Nepalesen wirken entspannter. Ich habe noch nicht heraus was genau sie anders machen, als zum Beispiel Inder. Aber man spürt es wenn man durch die Straßen zum Swayambunath geht. Wenn man beobachtet, wie eine Verkäuferin oder ein Verkäufern in einem der „Hole in the Wall“restaurants- oder geschäften auf Kundschaft warten. Sobald ich es weiß…

Aber wir waren bei „Taxi?“. „No, thank you“ und auf geht’s in die bunte Welt, die also nicht Nepal und nicht meine Heimat ist, aber eine schöne Zwischenwelt, in der es sich lohnt ein wenig herumzustöbern und eine entsprechende Trekkingcompany zu finden, die mir einen Guide zur Seite stellt, der mich durch den Annapurnacircuit führt. Nun ist es kein leichtes Unterfangen, jemanden Vertrauenswürdiges für so eine Unternehmung zu finden, den man nicht kennt, in einem Land, dass einem fremd ist und in der ich schon Mühe hatte, einen 10 Rupie Schein von einem 20er zu unterscheiden. Für den einen ist Facebook nichts weiter als ein datensaugendes Monster (was es ist) und für den anderen eine Plattform um Menschen kennen zu lernen (was es ist). Letztlich entschied ich mich für Clear Sky Trekking. Hauptsächlich deswegen, weil einer der Besitzer mich regelmäßig via Facebook anschrieb, nachdem er mitbekommen hatte, dass ich nach Nepal wollte. Und zum anderen hey, nur 5 Minuten vom Pilgrim, meinem Hotel, entfernt lag. Ich hatte einige Mühe zwischen den ganzen Gebetsfahnen, Schildern und Stromkabeln, die da übrigens wild zu wachsen scheinen, die Company zu finden. Aber, kopfschüttelnick, Shiva, okay ein bisschen auch Google Maps,  lenkte meine Schritte in die richtige Richtung. Es empfing mich ein Mann, Mitte dreißig, Anzug, gepflegt und er machte einen ziemlich schlauen Eindruck. Aber, und hier bin ich dankbar für meine Menschenkenntnis, die ich mir in den langen Jahren auch durch meine Arbeit erworben habe, keinen verschlagenen. Auch nicht nach dem wir uns fast eine Stunde unterhalten hatten, war ich sicher mein Leben und mein Geld in seine Hände zu legen. Das klingt vielleicht etwas theatralisch, aber Tage später sollte ich erleben, wie dünn die Linie zwischen Sicherheit und Unsicherheit hier in dieser Gegend ist.
Aber jetzt war mein Eindruck gut, der Preis hatte es sich im
mittleren Kostensegment gemütlich gemacht und so waren wir uns rasch einig. Am 13.12 sollte es los gehen.

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Das Ende der Welt? Teil 3

Indien/Nepal 11.12.14
Der Grenzübergang nach Sinauli / Nepal ist eine staubige Angelegenheit. Zur linken staut sich der LKW Verkehr. Bunte Vehikel, beladen mit allem was das nepalesische Herz scheinbar begehrt, und mit wohlklingenden Namen ausgestattet wie „Road King“ oder „Star of Road“. Das ganze kann der glückliche Backpacker bequem von einer Fahrradrikscha aus betrachten, die ihn vom Busbahnhof zum Grenzübergang bringt. Der, schon etwas betagte, Rikschafahrer, nennen wir ihn Baba, hatte vorher hochmotiviert und ungefragt den Rucksack aus dem Gepäckkasten des Busses an sich gerissen und mit einem „I help you, Sir“ den Eindruck des Diebstahls in einen Eindruck der barmherzigen Hilfe am Touristen zu verwandeln versucht. Während dessen raunte ein sich übervorteilt fühlender anderer Rikschafahrer von hinten „Only 20 Rupie“. Das jetzt keiner denkt dieser Rikschafahrer nannte den richtigen Preis, weil er sein Karmakonto aufbessern wollte. Nein, er war einfach langsamer und ärgerte sich, dass nicht er den fetten Touristen ausnehmen konnte. Im nächsten Leben wird er dann wahrscheinlich eine Schabe sein, die, von einer Fahrradrikscha angequetscht, auf einer staubigen Straße Indiens vor sich hinstirbt.
Wie dem auch sei. Baba fuhr mich zur Grenze an diesen wunderbar

bunten und mit vielen schönen Kleinigkeiten verzierten Lastwagen vorbei. Ich muss sagen, dass Stauleben in Deutschland wäre abwechslungsreicher, wen es dort diese Vielfalt gäbe. Währenddessen versuchte Baba mir die Vorteile zu erklären, die es hätte, wenn ich ihn die Formalitäten machen lassen würde. Sein Hauptargument: „I can do it for you. “ Ein nicht sehr überzeugendes Verkaufsgespräch, an dessen Ende das Unvermeidliche stand. Ich wurde das Werkzeug der Rache des anderen Rikschafahrers und drückte Baba 20 Rupie in die Hand, erledigte die Formalitäten selber und ließ ihn an der Grenze stehen. Die Formalitäten des Grenzübertrittes sind nur im Schengener Raum einfacher – wenn man Europäer ist. Der indische Beamte stempelt seinen Ausreisestempel in den Pass und man geht zum nepalesischen Grenzbüro. Und dann passieren interessante Dinge. Die Atmosphäre wird zusehends entspannter. Die Menschen schauen nicht mehr so gestresst, es beginnt anders zu riechen. Nicht mehr dieser Mix aus Betelnuss, Rauch, Abgasen, Räucherstäbchen, Essen und Urin. Nun mehr waren es nur noch ein paar Abgase und Räucherstäbchen. Die Geräuschkulisse veränderte sich, da das permanente Hupen verschwand. Und im Immigration Office schaute ich in freundliche Gesichter und erblickte auf dem Desktophintergrund eines PC die Fassade des Düsseldorfer Schauspielhauses. Als ich dann bei der hoheitlichen Erteilung des Visums auch noch assistieren musste, in dem ich die Nummer meines Passes korrigierte, da der Beamte seine Brille vergessen oder noch nie eine besessen hatte, fühlte ich mich irgendwie ein Stück wohler. Hätte ich gewusst, dass ein paar Stunden
später eine vergessene oder noch nie besessene Brille mein Leben ein wenig verkomplizieren würde, hätte ich vor Ort für den Fall der Fälle ein paar gekauft. So aber verließ ich froh gestimmt das Immigration Office und wurde natürlich direkt von einem freundlichen Busunternehmer in ein Büro geführt. Der Preis für die Fahrt nach Kathmandu in einem Tourist Bus war kaum der Rede wert, obwohl er ein wenig über dem üblichen Niveau gelegen haben dürfte. Für über 700 Km bezahlt der Backpacker lieber mehr für einen Touristenbus, als in einem Localbus eine verdammt schlechte Zeit auf seinem dickeren Portemonnaie absitzen zu können.
Die Fahrt selber war, wie alle Fahrten mit dem Bus oder mit der Bahn in diesem Teil der Welt, lang. Sehr lang. In Zahlen ausgedrückt ca. 12 Stunden, die ich in dem Bus auf einem dünneren Portemonnaie bequemer sitzend meine Zeit verbrachte. Zunächst schien der Bus an
jeder Yakmilchkanne zu halten. Dann fuhr er eher durch, aber nicht unbedingt in dem Tempo, was ich als ein Reisetempo bezeichnen würde. Was den Straßenverhältnissen, den zeitraubenden Überholmanövern von deutlich langsamer vor uns fahrenden LKW's und dem Alter des Motors geschuldet sein dürfte. Hin und wieder hielt der Bus, aus biologischen Gründen, auf freier Strecke. Aber diese Pausen waren natürlicherweise nicht sonderlich lang. Irgendwo wurde dann eine Essenpause eingelegt, auf die ich, mittlerweile seit über 24 Stunden ohne Essen, hätte verzichten können. Wer braucht schon Nahrung, wenn in Kathmandu ein, hoffentlich, sauberes Bett auf ihn wartet. Man wird doch bescheiden. Aber die anderen waren anderer

Meinung und schaufelten fröhlich schwatzend ein Dinner mit den Fingern in sich hinein und genossen das Leben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass sie das einzige richtige gemacht haben und ich mit meiner kleinen Tüte Chips, die ich mir gekauft hatte, ziemlich dämlich ausgesehen haben muss. Ein kläglicher Ersatz für ein köstliches Dal Baat, welches ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte. Nach einiger Zeit, es war
mittlerweile nach 20 Uhr, ging es weiter. 
An dieser Stelle kann ich es kurz machen. Denn es gibt nichts was ich anderes berichten könnte, als das der Bus fuhr und fuhr, ich mit meinem Hotel wegen der Ankunftszeit in Mailkontakt stand und die Energie in meinem Mobile zur Neige ging. Bei 10 % erreichten wir dann das nächtliche Kathmandu. Es ist nicht unbedingt ein Alptraum nachts in einer fremden Millionenstadt anzukommen, aber es ist auch nichts auf das man sich freut. Man weiß nicht wo man genau ist und man ist einem der wenigen Taxifahrer ausgeliefert und hat nur wenig Verhandlungsspielraum, möchte man nicht in irgendeinem Hauseingang versuchen Schlaf zu finden. Und so geriet ich dann einen Taxifahrer, der nicht zwar nicht die kriminelle Energie hatte mich auszunehmen wie ein nepalesisches Neujahrshuhn, aber der leider halb blind war und scheinbar auch nachts nicht sonderlich gut sah. Hinzukam das er mein Hotel, das Pilgrim Hotel in Thamel, nicht kannte. Aber, und das war wichtig, Googlemaps wusste wo das Hotel ist und Googlemaps wusste wo wir waren. So zeigte ich ihm, mittlerweile war der Energiestand auf 7% gesunken, unseren Standort und den des Hotels. Eigentlich alles ganz einfach, doch er lächelte verlegen und fuhr an der Straße vorbei, in die wir hätten einbiegen sollen um wenig später das Pilgrim zu erreichen. Meinen mehrfachen Hinweis, dass wir wenden müssen, quittierte mit beherztem Weiterfahren. Ram nam sayte hai. 5%. Wenn jetzt noch die Meldung käme, dass mein Reisepaket aufgebraucht sei und ich für läppische 2,99/Minute im Internet surfe, würde ich diesen halbblinden Mann aus seinem Taxi schubsen und selber bis ins Foyer des Pilgrim fahren. Shiva sei Dank musste es nicht zu dieser drastischen Maßnahme kommen und Minuten später befand ich mich im Garten des Pilgrims, wo mich ein freundlicher Nachtportier begrüßte. Nachdem ich den Preis für die nächtliche Fahrt von ca 15 Minuten von 1000 auf 600 Rupie mit Hilfe des Portiers heruntergedrückt hatte, schnappte sich ein Boy meinen Rucksack und führte mich in mein Zimmer, wo ein sauberes Bett in einem sauberen Zimmer half mich in einen erholsamen Schlaf zu führen.
Der nächste Morgen war ein Morgen der Freude. Einer Freude an kleinen Dingen. Die erste war eine
warme Dusche. Ich erlaubte mir den Luxus mir dreimal die Haare zu waschen und das warme, durch das Shampoo wohlriechende Wasser zu genießen. Die nächste Freude, war ein Frühstück im Garten des Pilgrims, welches aus zwei Scheiben Toast mit Butter und Jam und einem Omlett aus sage und schreibe zwei Eiern bestand. Selbst wenn ich einen Cholesterinwert von über 500 gehabt hätte, hätte mich nichts auf dieser Welt davon abhalten können, das zu essen. Und so begann meine Zeit in Nepal. Frisch geduscht, ein leckeres Frühstück in einem guten Hotel.

Montag, 29. Dezember 2014

Das Ende der Welt? Teil 2

Gorakpur, 11.12.14
Im Grunde hätte ich besser wach bleiben sollen, anstatt immer wieder
in irgendwelche Halbschlaf Zustände zu geraten, die keine angenehmen Inhalte hatten. So oder so, der Wecker klingelte um 5:30, da mir einer der 4 Inder gesagt hatte, dass der Bus um Sechs fährt. Trotzdem bin ich erst gegen sieben aus meiner Zelle verschwunden. Etwas hielt mich ab, die Strasse zu betreten. Und im Nachhinein denke ich, dass ich diese Strasse und diese Stadt einfach nicht sehen wollte. Als ich den Schlüssel abgab, schien ich einige Kilo leichter zu sein; und nichts, so nahm ich mir vor, wird dafür sorgen, jemals
wieder dieses Gebäude zu betreten, welches ich so eingestimmt verließ. Ich ging in die Richtung, in der die Busse standen, bereit notfalls in Hindi nach dem richtigen Bus zu fragen, als mich sofort, an der Strassenecke jemand ansprach: "Sunauli?" Und schon saß ich im richtigen Bus. Easy enough. Nun hatte ich die Lösung verstanden. Nicht "Ende gut, alles gut" ist das Motto, sondern "alles wird gut auf deinem Weg". Interessant.
Natürlich war es kein Touristbus, sondern ein Localbus, in dem ich
aufgrund meines Touristenstatus einen Sitzplatz erhielt. Natürlich ist es egoistisch diesen Status zu nutzen und sich zu freuen, dass man einen der bequemsten und besten Plätze hat. Am Fenster, nicht am Gang. Das bedeutet das man nicht irgendwelche Gesäße, Oberschenkel oder sonstige Körperteile immer wieder wegschieben muss, um den Kopf an den Vordersitz oder die Kopfstütze zu lehnen, während man versucht die dreistündige Fahrt zu verschlafen. Ich konnte meinen Kopf an die Fensterscheibe lehnen und
mich von den mehr oder weniger heftigen Vibrationen in einen Dämmerzustand versetzen lassen. Was ein unbestreitbarer Vorteil ist. Ja, ich sollte mich schämen, keinen Stehplatz genommen zu haben. Ich habe weder das eine noch das andere getan. 
Verglichen mit einer Sardinenbüchse muss man sagen, dass die Sardinen eindeutig mehr Platz in ihrer Dose haben, als die Passagiere in diesem Tatabus.


Und das alles was sich abschließend zu dieser entzückenden Fahrt an die indisch - nepalesische Grenze sagen lässt. Außer diesen Eindrücken.




Das Ende der Welt? Teil 1

Nein, trotz der geballten Macht an östlicher Spiritualität, oder das was der abgeklärte und technikaffine Backpacker dafür hält, ist jenes weder gekommen noch ist es hier in Nepal zu finden. Allerdings scheint hier ein Ende des Internets zu sein. Nicht nur das sich der multimediale Datenstrom, per Wifi durch die erfrischende und klare Luft geschickt, in den tiefen Tälern und Schluchten des Himalajas verliert. Auch in Städten wie Pokhara oder Kathmandu ist die nichtstoffliche Welt, die mir ja nun einiges bedeutet, nicht immer per Mobile greif- und verfügbar. Dachte ich zumindest. 
Aber eines nach dem anderen.

Ghorakpur, 10.12.14
Der temporär heimatlose Backpacker baut vor und bemüht
Gorakpur Bahnhof
sich bereits am Abend vor der Weiterreise, den entsprechenden Bus nach Sunauli zur indisch - nepalesischen Grenze, seinen Halteplatz und natürlich die genaue Abfahrtzeit in Erfahrung zu bringen. Easy enough, wenn sich denn die indischen Verhältnisse an meine Gewohnheiten und Wunschvorstellungen anpassen. Eigenartigerweise taten sie genau das nicht. Vor dem Bahnhof gab es zwei große Straßen auf denen eine Unmenge an Bussen standen. Bereit zu einer entzückenden Fahrt nach irgendwo. Eine noch größere Menge an

Indern, die nach irgendwo wollten. Und eine sehr kleine Menge an Indern, ca 4, die mir in rudimentärstem Englisch zu verstehen gaben, dass morgen der Bus da sein würde. Es folgte eine unbestimmte - bestimmte Richtungsangabe auf ein irgendwo da auf der Straße. Letztlich nur eine verbale Variante eines Kopfschüttelnicks. Nun gibt es in Indien in vielen Städten eine Einrichtung, die sich die Klügsten und Besten in irgendeiner vergangenen indischen Regierung haben einfallen lassen und die dem strauchelnden Touristen in Zeiten, des, latent eigentlich immer vorhandenen, Gefühls "ich habe keine Ahnung wo ich hin soll" mit Rat und Tat beiseite stehen soll: Das Tourist Office. Hier geht man hin, wird mit einem freundlichen gelächelten "Namaste" begrüßt und kann seine Verzweifelung an den
verständig blickenden Beamten abgeben, der sie sogleich in eine wundervolle Lösung verwandelt und dem Besucher aus dem fernen Land zurückschenkt. Im besten Fall. In Gorakpur erhält man ein freundliches Namaste von zwei Beamten, die in einem Raum mit einem Sessel, einer Couch und einem Tisch zum bezahlten Plausch zusammen gekommen sind und deren Blick eher sagt "Ein Tourist? Gibt es die auch noch?". Diese Interpretation kam wahrscheinlich nur deswegen zustande, weil sie in der schieren Verzweifelung ertränkt war, in dieser Stadt gestrandet zu sein. Nein, diese beiden Männer wollten helfen und sie taten ihren Job. Ja, es fährt ein Bus morgen früh zur Grenze nach Sunauli und ich möge doch bitte in diesem Buch meinen Namen eintragen. Namaste. Immerhin, es gab eine Lösung, die ich allerdings irgendwie noch nicht als solche erkannte.
Ich verabschiedete mich, wie sich dass gehört, mit einem freundlichen Namaste und dem Gefühl nichts erreicht zu haben. Planungen westlicher Prägung schienen nicht im mindesten mit denen indischer Prägung zusammen zu passen. Man spricht wohl nicht nur eine unterschiedliche Sprache. Zu dem Gefühl der Leere drängte sich der nicht minder reale leere Magen. Ich gebe zu, hin und wieder habe ich eine gewissen Neigung zur Melodramatik. Aber was hätte ich nicht gegeben für einen Rest von Malikas Biryani, diesem Lembas aus dem Homestay in Varanasi. Es hätte mich gesättigt und mir neuen Mut gegeben, Hoffnung auf ein "Ende gut, alles gut". Aber es war weg und was blieb? Eine Reihe von offenen Restaurants vor dem Bahnhof, die aussahen als wenn sie jedes deutsche Gesundheitsamt nicht nur geschlossen sondern gleich, quasi als Notschlachtung, hätte sprengen lassen. Aber auch das ist nur die falsche Interpretation eines Gestrandeten mit Verzweifelung im Blick. Diesen Blick hatten auch drei Engländer, die in einem der Restaurants ein Thali bestellt hatten und die ich fragte, ob sie wüssten wo der Bus nach Sunauli abfahren würde. Während einer hektisch ein Chapati in seinem Thali herumtunkte, sagte er, dass sie auch nicht wüßten, wo der Bus abfährt, aber dieser nepalesische Soldat wisse es. Er rief ihn heran und was dann folgte, lässt sich nur schwer beschreiben. Übrig blieb das ich sehr sicher wahr, dass der Soldat seinen Namen wusste. Ich habe die drei Engländer nie wieder gesehen. Ram nam sayte hai.
Ich verzichtete auf Thali, Masala Dosa und was die indische Küche sonst noch so zu bieten hat und ging zurück in meine Zelle, wo ich dann, wie schon berichtet, auf das Morgen wartet, wie ein Verirrter in der Wüste auf ein Glas Wasser. Und das Morgen kam. 

Samstag, 13. Dezember 2014

Von einem Ende zum anderen

Einige Zeit ist vergangen und ich habe schweren Herzens das Homestay und Varanasi verlassen. Vor allem auch Malikas, der Gattin des Besitzers Harish, außerordentlichen Kochkünsten wegen. Ich könnte es kurz halten und bemerken das die Reise von Varanasi nach Kathmandu ein Katzensprung gewesen ist. Aber das wäre nicht die Wahrheit. Die Wahrheit, zumindest die des Backpackers, ist, dass es eine Herausforderung der besonderen Art war. Zunächst genoss ich die Aussicht durch eine, nur durch wenige Schmutzpartikel in beinahe Kuhfladengröße verdreckte, Scheibe eines AC2 Wagons der indischen Eisenbahn. AC2 bedeutet etwas mehr Luxus. Nicht den Luxus einer sauberen Toilette. Auch nicht den Luxus einer sauberen Fensterscheibe. Wobei gesagt werden muss, dass dieser 
Nebel ein echter ist, der sich auf etliche Kilometer über die Landschaft erstreckte. Nein, ein Luxus ist, dass man keine Gitter vor den Fenstern hat. Ein weiterer, dass es ausschließlich reservierte Plätze verkauft werden und nicht auch noch die Gänge. Ein Umstand, den ich später für ausgesprochen vorteilhaft halten sollte.
Und so ging es Stunde um Stunde. Ich erin-
nerte mich an Attenboroughs Szene aus dem  
Film Gandhi. Wunderbar. Gandhi fährt mit de Zug durch Indien um sein Land besser kennen zu lernen. Ich hatte nach 20 Minuten den indischen Nebel ausreichend kennengelernt und machte meinen Kindle an, welchen ich von meinen wunderbaren Lieben zu Hause für diese Gelegenheiten geschenkt bekommen habe (Danke, Danke, Danke nochmals) und vertiefte mich in Brian Greens abstrakte Gedankengänge 
zur Beschaffenheit der Wirklichkeit. Das gute bei meiner Reise nach Kathmandu war, dass die einzelnen Wegpunkte nur aus Endstationen bestanden. Was zumindest die Entscheidung vereinfachte, wo ich denn aussteigen muss. Motor aus, Schulz raus. Wobei es Ausnahmen gab, die diese Regel bestätigten. So drehte dann der indische Zugführer in Gorakpur seiner Diesellok den Saft ab um und freute sich auf sein Roti oder Chapati mit irgendeinem wohlschmeckenden Gemüse dabei, während ich mich in ein Schaf verwandelte. Etwas, was mir nun wirklich widerstrebt, aber in diesem Fall half den Ausgang aus dem Bahnhof in Gorakpur zu finden. Ich folgte einfach einen Hut tragenden großen Holländer, der sich schon während der Zugfahrt als ein ausgesprochen interessanter, indirekter, Weggefährte entpuppte. Er telefonierte unterwegs immer wieder mit jemandem, der ihn und seine Gruppe, zwei weitere Frauen und Männer, abholen sollte. Einmal sprang er auf, schaute auf den Bahnhofsschild in Hindi und meinte dann in perfektem Englisch: "I am not sure where. Somesthing with Seri or Sera." Ich schaute auf mein Etrex und stellte mit Bewunderung fest, dass wir uns in einem ort befanden, der diese Buchstaben aufwies. Ich drehte mich zu dem Holländer um, der sich aber in irgendeinen Comic vertieft hatte und vor sich hin grinste. Am Ende machte er dann noch einen Inder lang, der wohl seine Frau angestarrt hatte. Dies macht er so unmissverständlich, das dem Inder nur ein ebenso unmissverständliches Kopfschüttelnick blieb: "Okay"
Nachdem ich so den Ausgang gefunden hatte, versuchte ich einen verwegenen Plan umzusetzen. Fahrradrikscha heranrufen und auf Verdacht zu einem im Reiseführer empfohlenen Hotel zu fahren. Die Fahrt durch Gorakpur war so freundlich, wie der Biss in eine schimmelige Brotscheibe. Die Stadt lud in keiner Weise dazu ein, irgendetwas von ihr aufzunehmen. Sie stank nach Abgasen, sah an allen Ecken und enden verdreckt aus und das Gehupe und Geklingle erschien mir so laut, wie nie zuvor. Und in all diesen unerwünschten Sinneseindrücken, krallte ich mich an der Rikscha fest, die immer wieder durch Schlaglöcher umzukippen drohte. Natürlich war das gewünschte Hotel, dessen besonderer Reiz im kolonialen Baustil lag, ausgebucht und ich führ mit einer anderen Rikscha zurück zum Bahnhof. Nicht das es keine Auswahl gab. Jedes Hotel schrie mich in verschiedenen Farben und Formen an: "Komm  zu mir und habe eine schlaflose Nacht bei mir." Ich entschied mich für eines, dessen Säulen mir gefielen und leider zeigte sich an dieser Stelle der Nachteil des alleinreisenden Backpackers. Man hat die Wahl die 18 Kilo seines Rucksackes in jedes Hotel mit und diverse Treppen hoch

zu schleppen. Oder man denkt in absolut reduzierten Bahnen. Ich entschied mich für zweiteres und fand mich in einem Raum wieder, der, wenn nicht die Decke frisch gestrichen gewesen wäre, auch als Einzelzelle in einem indischen Gefaengnis haette durchgehen können.  
Die Matratzen hatten sich scheinbar mit allem vollgesogen, was ein menschlicher Körper absondern kann. Mit den Kopfkissen schloss ich nur in sofern Bekanntschaft, das ich den Bezug für in der Lage hielt, etwaige Lebewesen im Kissen zu halten. Mehr Begutachtung wollte ich nicht auf mich nehmen. Wie wunderbar Nichtwissen sein kann. Und auch dem Gedanken "Nur eine Nacht" nahm Gorakpur jeden Trost, in dem es bis fast zwei Uhr laut vor sich hinplärrte. Das was als euphemistisch als Toilette und Dusche bezeichnet wurde, zeige ich aus Rücksicht nicht. Letztlich lag ich dort vollbekleidet immer wieder in einen Halbschlaf gleitend und warte auf den Morgen, der mir den Bus und mich damit aus der Stadt und aus meinem Hotelzimmer brachte.

Freitag, 12. Dezember 2014

Gemeinsamkeiten

Okay, es war Nikolaus. Knapp 6600 km westlich von jeglichen rot-weißen Schokofiguren, Adventskalendern oder Dominosteinen entfernt saß oder stand oder lief ich und möchte mich bei allen bedanken, die mit Nikolausgrüße geschickt haben. 

Danke meine Lieben. :D

Es war schwierig, so eine Art Weihnachtsfeeling zu haben. Wo das einzige was an diesen heimeligen Brauch westlicher Kultur erinnern könnte, waren diese Plakat für Thermounterwäsche, weil die Wintersaison angefangen hat. Welche Wintersaison?



Hier in Varanasi, wo seit Wochen kein Regen gefallen ist und wo noch nie Temperaturen geherrscht haben, die einem Regentropfen auch nur den Ansatz einer kristallinen Struktur hätten geben können. Dieses indischen Werbeplakate macht also das, was Werbeplakate so machen sollen. Einen Bedarf für etwas schaffen, was man eigentlich nicht braucht. 



Man sollte generell meinen, dass es nicht sonderlich viele alltägliche Gemeinsamkeiten gibt zwischen einem Wald- und Wiesenbackpacker wie mich und einem handelsüblichen Inder. Was allerdings nicht stimmt. Gut, ich habe noch nie einer Ziege einen Pullover angezogen und, Shiva sei Dank, ich kennen auch niemanden, der sowas tut - hoffentlich. Aber zum Beispiel ist Stau auch hier beileibe kein seltener, kaligewollter Unbill, um ohnehin leidgeprüften Indern den Rest zu geben. Die Zusammensetzung der Stauteilnehmer ist allerdings zunächst ungewöhnlich. In Anbetracht der Tatsache, dass sich nicht viele ein Auto, aber schen bar eine oder mehrere Kühe leisten können, verwundert es dann aber doch nicht mehr.Vielleicht ist es etwas befremdlich, nun auch noch Kühe mitten unter den Stauteilnehmern zu sehen. Noch befremdlicher wird allerdings sein, dass diese Kuhherde nicht der Grund für den Stau war, sondern sich elegant in die Zeitverschwendung einfügte.