Ich habe nichts dagegen von dem Muhen einer Kuh geweckt zu werden. In mir ist das Gefühl, das mal klar stellen zu müssen. Hier, an einem der heiligsten Orte Indiens. Wo Parvati einen Ohrring im Wasser verloren hat und Shiva ein Becken aushob, dass Wasser enfernte um ihn zu finden und jenes Becken dann mit seinem Schweiß wieder füllte. Als jemand, dessen Hygienevorstellungen im Westen Europas manifestiert wurden, sage ich nur: "Bah". Als indienreisender Backpacker kopfschüttelnick ich und sage "Für Shiva, hinein in die heiligen Fluten". Bildlich gesprochen. Denn ich würde es wahrscheinlich nicht überleben. Alles Mikroskopische (das Makroskopische bleibt besser unerwähnt) würde mit Freude feststellen, dass ich mich nicht wehren kann und sich auf mich stürzen. Und das wäre es dann gewesen. Mit mir, diesem Blog und so weiter. Ich glaube auch kaum das man dann einen Ghat nach meinem bakteriell und viral verursachten Dahinscheiden nach mir benennen würde, wie den Tulsi Ghat. Dort hatte sich im 16 Jahrhundert der Hindudichter Tulsi in die Fluten gestürzt. Schulzghat oder auch Zitronenghat. Hätte aber was.
Wie dem auch sei, die Kuh macht muh und ich machte mich auf den Weg hinunter zu den Ghats. Was folgte war zunächst der übliche Blick auf das GPS, dass sich als überaus hilfreich entpuppt hat. Es fand selbst die Löcher in Mauern, und davon gibt es in indischen Mauern viele, durch die ich letztlich auf die Luxa Rd kam. Ich werde wahrscheinlich nie verstehen, warum die indischen Hauptstraßen lärmtechnisch im oberen Dezibelbereich angesiedelt sein müssen. Beziehungsweis, das sich der Lärm schichtet wie ein gefülltes Paratha. Das Grundgeräusch bilden die Motorräder und die Tuktus. Um im Straßenverkehr auch wirklich hörbar zu sein, werden sie wahrscheinlich werksseitig, neben unerträglichen Hupen, mit löchrigen Auspuffen ausgeliefert. Die nächste Schicht bilden die Autos. Davon gibt nicht so viele, aber sie haben Hupen, die so laut den Weg frei plärren, dass sie wahrscheinlich unter die Antifolterkonvention fallen. Dann folgen die Schellen der Radfahrer und der Fahrradrikschas. Vielleicht kommt der eine oder andere jetzt auf den Gedanken, dass die Fahrradschellen ja nun wirklich nicht so laut sein können. Die Masse machst es. Und dann kommt einem ein "My Friend", oder "My Boat is there" oder "Haschisch, Opium" wie das Säuseln eines malariaverseuchten Moskitos vor, welches verstummt, wenn man es geflissentlich ignoriert. Das Geplärre, Geschelle und Geröhre zu ignorieren würde aber einmal nicht dazu führen das es verstummt und es wäre wahrscheinlich auch tödlich. Bisher.
Zweiter Tag
Warum auch immer, ich schlief die Nacht schlecht und so machte ich mich erst gegen 13 Uhr auf den Weg, die Reise, das Abenteuer oder wie immer man den Gang in Richtung Ganga auch nennen mag. Mein erstes Ziel war ein Ghat, denn ich Shiva Ghat nannte, weil es dort einen kleinen Shiva Schrein gibt, an dessen Treppe ich bereits am ersten Tag gesessen hatte. Von dort hat man eine weiten Blick über den Ganges, der an dieser Stelle in einem weitem Bogen in den Süden fließt.
Allerdings ist dies der Harishchandraghat und, wie ich finde, einer der ruhigsten Ghats, die ich bisher gesehen und erlebt habe. Das schmälert natürlich nicht die Vielfalt der anderen. Aber wenn man bedenkt, das mir die sechs Tage, die ich hier bin, wie ein paar Wochen vorkommen, ist ein ruhiges Plätzchen hin und wieder so wohltuend wie ein kühles Glas Wasser oder ein Bananenlassi aus dem Blue Lassi House
oder das göttliche Essen von Malika, der Gattin des Hausherrn des Homestay Harish. Das Homestay hat sich in jeder Hinsicht auch gute Wahl erwiesen. Es liegt in einer Seitengasse, durch die nur alle drei Minuten etwas Motorisiertes plärrt. Man wird, wie schon erwähnt, durch eine Kuh aber auch durch indischen Schlager geweckt. Hin und wieder singt ein fahrender Händler irgendwelche Weisen von weichkochenden Kartoffeln und der verdauungsfördernden Wirkung von Zwiebeln und Kohl. Aber sonst ist es wirklich ruhig hier. Die Zimmer sind sehr geschmackvoll und vor allem indisch eingerichtet und Abends verzaubert ein Lampe mit einem Schirm aus buntem Glas den Balkon zu meinem Zimmer.
Neben Malika und Harish, leben in diesem Haus noch seine zwei Kinder und zwei Hausmädchen. Eines davon, sagte, als sie von Kathy aus Bristol gefragt wurde, wie alt sie ist, das sie es nicht wüsste, aber sie vermutet um die 18 Jahre. Natürlich unerheblich in einem Land, in dem es keine reguläre staatliche Rente gibt und natürlich auch unerheblich für das "danach" nach dem Ableben. In Indien werden die meisten Hindus verbrannt. Damit erübrigt sich auch die Frage, was denn auf dem Grabstein stehen soll. In Varanasi finden die Verbrennungen an zwei Orten statt. Der größte ist der Manikarnikaghat an dem 24 Stunden Leichen verbrannt werden. Wie nah für den Hindu Leben und Tod zusammenliegen wird nicht nur daran deutlich, dass die Verbrennungen öffentlich sind und Menschen wie ich zuschauen sollen. Auch nicht daran, dass sich sofort nach dem Eintreffen am Manikarnikaghat ein hilfsbereiter Inder sich einem annimmt - no money, only for Karma und am Schluss dann doch Geld für dieses oder jenes möchte. Es macht sich auch bemerkbar an der Tatsache, dass man in der Altstadt hinter dem Manikarnikaghat im Bluelassi sitzt, sein Bananenlassi genießt und und im 15 Minutenrythmus bunt verpackte Leichen mit einem rituellen Gesang vorbei getragen werden. Irgendwann, es soll nicht pietätslos klingen, sind es aber nur noch bunte Pakete, die von singenden Männern transportiert werden.
Ich habe noch nicht ganz herausbekommen, was an diesem Ort eigentlich los ist.
Wie dem auch sei, die Kuh macht muh und ich machte mich auf den Weg hinunter zu den Ghats. Was folgte war zunächst der übliche Blick auf das GPS, dass sich als überaus hilfreich entpuppt hat. Es fand selbst die Löcher in Mauern, und davon gibt es in indischen Mauern viele, durch die ich letztlich auf die Luxa Rd kam. Ich werde wahrscheinlich nie verstehen, warum die indischen Hauptstraßen lärmtechnisch im oberen Dezibelbereich angesiedelt sein müssen. Beziehungsweis, das sich der Lärm schichtet wie ein gefülltes Paratha. Das Grundgeräusch bilden die Motorräder und die Tuktus. Um im Straßenverkehr auch wirklich hörbar zu sein, werden sie wahrscheinlich werksseitig, neben unerträglichen Hupen, mit löchrigen Auspuffen ausgeliefert. Die nächste Schicht bilden die Autos. Davon gibt nicht so viele, aber sie haben Hupen, die so laut den Weg frei plärren, dass sie wahrscheinlich unter die Antifolterkonvention fallen. Dann folgen die Schellen der Radfahrer und der Fahrradrikschas. Vielleicht kommt der eine oder andere jetzt auf den Gedanken, dass die Fahrradschellen ja nun wirklich nicht so laut sein können. Die Masse machst es. Und dann kommt einem ein "My Friend", oder "My Boat is there" oder "Haschisch, Opium" wie das Säuseln eines malariaverseuchten Moskitos vor, welches verstummt, wenn man es geflissentlich ignoriert. Das Geplärre, Geschelle und Geröhre zu ignorieren würde aber einmal nicht dazu führen das es verstummt und es wäre wahrscheinlich auch tödlich. Bisher.
Zweiter Tag
Warum auch immer, ich schlief die Nacht schlecht und so machte ich mich erst gegen 13 Uhr auf den Weg, die Reise, das Abenteuer oder wie immer man den Gang in Richtung Ganga auch nennen mag. Mein erstes Ziel war ein Ghat, denn ich Shiva Ghat nannte, weil es dort einen kleinen Shiva Schrein gibt, an dessen Treppe ich bereits am ersten Tag gesessen hatte. Von dort hat man eine weiten Blick über den Ganges, der an dieser Stelle in einem weitem Bogen in den Süden fließt.
Neben Malika und Harish, leben in diesem Haus noch seine zwei Kinder und zwei Hausmädchen. Eines davon, sagte, als sie von Kathy aus Bristol gefragt wurde, wie alt sie ist, das sie es nicht wüsste, aber sie vermutet um die 18 Jahre. Natürlich unerheblich in einem Land, in dem es keine reguläre staatliche Rente gibt und natürlich auch unerheblich für das "danach" nach dem Ableben. In Indien werden die meisten Hindus verbrannt. Damit erübrigt sich auch die Frage, was denn auf dem Grabstein stehen soll. In Varanasi finden die Verbrennungen an zwei Orten statt. Der größte ist der Manikarnikaghat an dem 24 Stunden Leichen verbrannt werden. Wie nah für den Hindu Leben und Tod zusammenliegen wird nicht nur daran deutlich, dass die Verbrennungen öffentlich sind und Menschen wie ich zuschauen sollen. Auch nicht daran, dass sich sofort nach dem Eintreffen am Manikarnikaghat ein hilfsbereiter Inder sich einem annimmt - no money, only for Karma und am Schluss dann doch Geld für dieses oder jenes möchte. Es macht sich auch bemerkbar an der Tatsache, dass man in der Altstadt hinter dem Manikarnikaghat im Bluelassi sitzt, sein Bananenlassi genießt und und im 15 Minutenrythmus bunt verpackte Leichen mit einem rituellen Gesang vorbei getragen werden. Irgendwann, es soll nicht pietätslos klingen, sind es aber nur noch bunte Pakete, die von singenden Männern transportiert werden.
Ich habe noch nicht ganz herausbekommen, was an diesem Ort eigentlich los ist.
