Sonntag, 11. Januar 2015

Kathmandu chillt

11.12. - 12.12., Kathmandu

Dermaßen geerdet wieder in der Welt angekommen, waren neue Schritte wieder möglich. Das Etrex angeworfen, dass Mobile auf 100%, das Abenteuer Kathmandu konnte beginnen. Was hatte ich nicht alles gehört. Hippiekultur, alternatives Leben, freundliche Nepalesen, die einem den Sinn des Lebens erklären – „Taxi?“. Das war also das erste Wort, welches ein Mensch aus Kathmandu an meinem ersten Tag an mich richtete, nach dem ich mich aus meinem Reisefiebertraum Mittels Schlaf, Dusche und Toast wieder erweckt hatte. „Taxi“ Ich könnte einen großen philosophischen Bogen, Taxi des Lebens, wohin geht die Reise usw, schlagen, aber ich belasse es bei einer simplen Tatsache – ich war Thamel angekommen. Wenn überall abends um 20 Uhr in Kathmandu der Strom abgeschaltet wird, und das wird er, brennen in Thamel weiter alle Lichter. Wenn Kathmandu im Abfall versinkt, ist Thamel wie aus dem Ei gepellt. Thamel ist die Oase in Kathmandu, in die die Touristen strömen, um dort den Kulturschock nicht allzu hart als schallende Ohrfeige ins Gesicht geschlagen zu bekommen. Sondern
eher als Klaps auf den Po, der warm eingepackt ist in eine Northface Thermohose. Oder hübsch eingewickelt in irgendeine farbenfrohe Pluderhose, von der der westliche, und im Übrigen nur der, Bagpacker glaubt das das der gemeine Nepalese so trägt im Alltag, was er im Übrigen nicht tut. Der Preis für diesen Kulturklaps auf den Allerwertesten ist, dass man für serienmäßig hergestellte Buddhas, Gebetsmühlen und -ketten, Schals usw usw noch mehr zahlt, als sie tatsächlich wert sind. Sehen wir mal davon ab, dass der größte Wert, dieser Dinge darin liegt, dass man sie in Nepal erworben hat. Ich mag vielleicht ein wenig exzentrisch sein, aber ich erfreue mich da mehr an einem Stein, den ich irgendwo aufgelesen habe.
Aber Thamel ist trotzdem der richtige Ort für die Besucher dieses Landes, also auch für mich. Denn den Kulturschlag ins Gesicht hält man nicht aus oder zumindest nur schlecht. Und so ist der Stadtteil Thamel nicht gerade Disneyland, was es in Nepal durchaus gibt, aber davon später. Es ist ein Ort, der gut durchzogen ist von Weihrauch- und Räucherstäbchenduft. Der bunt gekleidet in buddhistische Gebetsfahnen und feilgebotene Pluderhosen, die kein Nepalese jemals trägt, ein sorgenlosen Leben in  - Thamel verspricht. Von Seidenschals und solchen, die behaupten es zu sein. Bildbänden, Postkarten, die den Lieben zu Hause einen Eindruck schenken sollen, von der Vielfalt Nepals. Und immer wieder gespickt mit Restaurants, die den neugierigen Touristen entführen, verführen wollen, in eine kulinarische Zwischenwelt zu kommen. In der die Pizza „Quattro formaggie“ mit Büffel- und Ziegen und irgendeinem Analogkäse garniert wird, einen aber Erinnerungen daran schenkt, wie diese zu Hause schmeckt. Zu hause. Das ist dann immer noch ein irgendwo hinter der nepalesischen Wirklichkeit, aber trotzdem greifbar, schmeckbar. Ich denke es wird vielen so gehen. Den Südkoreanern, den Chinesen, die Australiern, Engländern. Die Neugierde auf ein fremdes unbekanntes Land ist etwas sehr lebendiges, aber es macht auch Angst – mir zu mindest. Und dann ist Thamel, der Ort, der einen Großteil der Zeit Strom hat, TV auf dem Zimmer, relativ saubere Straßen und hier und da ein kulinarische Erinnerung an die Heimat, genau das richtige um nicht in den nächsten Flieger zu steigen und seine Neugierde unbefriedigt zurückzulassen.
Im Grunde sträube ich mich zu schreiben, dieses Volk ist so und jenes ist so. Aber eines fällt auf, und darin begründet sich die Wahl der Überschrift. Nepalesen wirken entspannter. Ich habe noch nicht heraus was genau sie anders machen, als zum Beispiel Inder. Aber man spürt es wenn man durch die Straßen zum Swayambunath geht. Wenn man beobachtet, wie eine Verkäuferin oder ein Verkäufern in einem der „Hole in the Wall“restaurants- oder geschäften auf Kundschaft warten. Sobald ich es weiß…

Aber wir waren bei „Taxi?“. „No, thank you“ und auf geht’s in die bunte Welt, die also nicht Nepal und nicht meine Heimat ist, aber eine schöne Zwischenwelt, in der es sich lohnt ein wenig herumzustöbern und eine entsprechende Trekkingcompany zu finden, die mir einen Guide zur Seite stellt, der mich durch den Annapurnacircuit führt. Nun ist es kein leichtes Unterfangen, jemanden Vertrauenswürdiges für so eine Unternehmung zu finden, den man nicht kennt, in einem Land, dass einem fremd ist und in der ich schon Mühe hatte, einen 10 Rupie Schein von einem 20er zu unterscheiden. Für den einen ist Facebook nichts weiter als ein datensaugendes Monster (was es ist) und für den anderen eine Plattform um Menschen kennen zu lernen (was es ist). Letztlich entschied ich mich für Clear Sky Trekking. Hauptsächlich deswegen, weil einer der Besitzer mich regelmäßig via Facebook anschrieb, nachdem er mitbekommen hatte, dass ich nach Nepal wollte. Und zum anderen hey, nur 5 Minuten vom Pilgrim, meinem Hotel, entfernt lag. Ich hatte einige Mühe zwischen den ganzen Gebetsfahnen, Schildern und Stromkabeln, die da übrigens wild zu wachsen scheinen, die Company zu finden. Aber, kopfschüttelnick, Shiva, okay ein bisschen auch Google Maps,  lenkte meine Schritte in die richtige Richtung. Es empfing mich ein Mann, Mitte dreißig, Anzug, gepflegt und er machte einen ziemlich schlauen Eindruck. Aber, und hier bin ich dankbar für meine Menschenkenntnis, die ich mir in den langen Jahren auch durch meine Arbeit erworben habe, keinen verschlagenen. Auch nicht nach dem wir uns fast eine Stunde unterhalten hatten, war ich sicher mein Leben und mein Geld in seine Hände zu legen. Das klingt vielleicht etwas theatralisch, aber Tage später sollte ich erleben, wie dünn die Linie zwischen Sicherheit und Unsicherheit hier in dieser Gegend ist.
Aber jetzt war mein Eindruck gut, der Preis hatte es sich im
mittleren Kostensegment gemütlich gemacht und so waren wir uns rasch einig. Am 13.12 sollte es los gehen.

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